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Mit Beginn der 1950er-Jahre nahm die Straßenbeleuchtung in Deutschland einen rasanten Aufschwung. Bis  Kriegsende gab es Straßenbeleuchtung in bewohnten Gebieten nicht flächendeckend, sondern zumeist nur in  größeren Orten und dann auch nur auf wenigen stärker befahrenen Straßen und Kreuzungen. Lediglich die großen  Metropolen wie Berlin oder Hamburg verfügten schon vor 1945 über ein gut ausgebautes Beleuchtungsnetz, doch  war dieses selbst dort noch keineswegs flächendeckend, sondern beschränkte sich zumeist auf die inneren  Stadtteile. So gab es z. B. in Berlin noch zu Beginn der 1950er-Jahre in den Randbezirken ganze Stadtviertel ohne  jede Straßenbeleuchtung. In den Wirtschaftswunderjahren der Adenauer-Zeit sollte sich das jedoch schnell ändern. Mit steigenden Wohlstand  nahm auch der Autoverkehr deutlich zu. Außerdem wurde Elektrizität generell billiger um in immer breiterem  Umfang verfügbar. So waren die Kriegsschäden bei der Straßenbeleuchtung schnell beseitigt und bereits in der  ersten Hälfte der 1950er-Jahre war der Vorkriegsbestand bei der Straßenbeleuchtung deutlich übertroffen. Die  Planungen der Nachkriegszeit brachte es mit sich, dass eine Vielzahl großer Plätze entstand, da die Stadtplaner einer  großstrukturierten Bebauung gegenüber einer kleinteiligen Baustruktur den Vorzug gaben. Da die Städte  „autogerecht“ werden sollten, wurden die Straßen breiter und die Plätze größer.  Besonders vor Bahnhöfen  entstanden großräumige Areale, die dann zumeist als Parkplätze genutzt wurden. Diesen Entwicklungen musste  auch die Straßenbeleuchtung angepasst werden.  Die Firma Vulkan brachte ab etwa 1954 ein Modell heraus, das bei der Beleuchtung großer Plätze und Areale in  Westdeutschland zum Klassiker avancieren sollte: Der Chinesenhut.  Unter dem Begriff „Chinesenhut“ verbarg sich eine Produktpalette von vier Modellen von äußerlich gleichem  Aussehen, aber unterschiedlicher Größe.   Das Modell G2500 machte 1954 den Anfang, es folgten aber alsbald dann die größte Großflächenvariante G2600, die  kleinere Platzleuchte G2400 und für Wohn- und Seitenstraßen die kleinste Variante G2300. Allen „Chinesenhüten“  war jedoch ihr charakteristisches Äußeres eigen: Ein geriffeltes weißlich-mattes Halbkugelglas unter einer  Abdeckung, die an einen chinesischen Hut erinnerte.  Die „Chinesenhüte“ fanden alsbald weite Verbreitung und setzten sich in zahlreichen Städten Westdeutschlands  durch. Dies galt insbesondere für die beiden großen Modelle, die bereits nach wenigen Jahren zahlreiche  Bahnhofsvorplätze der wiederaufgebauten deutschen Städte schmückten. Aber auch auf anderen Plätzen kamen die  Leuchten zur Anwendung. Dies galt sogar für historische Plätze in den Altstädten. Heute sind solche Plätze meistens  verkehrsberuhigt und werden mit historisierten Altstadtlaternen bestückt. Zu Beginn der 1960er-Jahre wurden sie  aber zumeist ebenfalls noch als Parkplätze genutzt und mit Vulkan-Leuchten versehen – aus heutiger Sicht freilich  ein ästhetisch eher unsensibles Unterfangen.  Die Verbreitung der Chinesenhüte schritt voran und schließlich waren sie fast überall in Deutschland verbreitet –  wenn auch regional durchaus unterschiedlich. Ein Schwerpunkt war der Rhein-Neckar-Raum (Mannheim,  Heidelberg) sowie der Großraum Rhein-Ruhr. Auch die Stadt Köln als Sitz der Firma Vulkan wurde zu Beginn der  1970er-Jahre von zahlreichen „Chinesenhüten“ beleuchtet. In Norddeutschland waren Bremen, Lübeck und Kiel  verstärkte Einsatzgebiete. In Hamburg und München kamen sie hingegen weniger zum Einsatz, im Frankfurter und  im Stuttgarter Raum fast gar nicht. Und als „chinesenhut-freie Zone“ konnte West-Berlin gelten. Die Gründe für den unterschiedlichen Verteilungsgrad mochten vielfältig sein und sind nicht immer nachvollziehbar.  Tatsache ist, dass die Kommunen und Gemeinden in den 1950er- und 1960er-Jahren noch wesentlich freier in der  Auswahl ihrer Produkte und der Erteilung öffentlicher Aufträge waren. Oftmals wurde Anbietern aus der Region der  Vorzug gegeben. Heute, im Zeitalter komplexer Ausschreibungsregelungen, nach denen Ausschreibungen (je nach  Auftragsgröße) oftmals sogar EU-weit zu erfolgen haben, können solche Entscheidungen freilich nicht mehr nach  diesen oder ähnlichen Kriterien erfolgen.